28. September

Erfolgreiche Kooperation zwischen Schule, Unternehmen und Hochschulen

Abschluss der vierten und Start der fünften Schüler-Ingenieur-Akademie an der Schule Birklehof

In der Abschuss- und Auftaktveranstaltung der Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) am 21. September 2022 stellten die Absolvent:innen der letztjährigen SIA ihre betrieblichen Projektarbeiten vor und erhielten ihre Abschlussurkunden. Die Vertreter der beteiligten Unternehmen Franz Morat Group Eisenbach, Mesa Parts Lenzkirch, Testo Industrial Services GmbH Kirchzarten und Testo SE &Co. KGaA Titisee-Neustadt präsentierten den künftigen Teilnehmer:innen die Themen ihrer Projektarbeiten. Die beteiligten Hochschulen, Universität Freiburg und Hochschule Furtwangen, sowie die betreuenden Lehrkräfte waren ebenso vertreten.

Kursstufenleiterin und SIA-Koordinatorin Irina Küsters begrüßte die Vertreter:innen der beteiligten Unternehmen und Hochschulen sowie die zehn Absolvent:innen der letztjährigen und die 13 Teilnehmer:innen der diesjährigen SIA im Musikhaus der Schule Birklehof. Den Start der fünften SIA am Birklehof nahm sie zum Anlass für einen Rückblick. Sie konnte berichten, dass vergangenen vier Jahren 42 Birklehof-Schüler:innen und damit etwa ein Viertel aller Abiturient:innen der Schule die SIA erfolgreich absolviert haben. Als besonders bemerkenswert hob sie hervor, dass über die Hälfte der Teilnehmer:innen weiblich waren, die vier Abiturientinnen des Abiturjahrgangs 2022 mit der Abiturdurchschnittsnote von 1,0 waren ebenfalls Absolventinnen der SIA.

Irina Küsters bedankte sich für das große Engagement der beteiligten Unternehmen. Manche beteiligen sich bereits zum zweiten (Testo Industrial Services GmbH Kirchzarten) oder dritten Mal (Mesa Parts Lenzkirch) an der SIA. Damit ermöglichen sie Schüler:innen wertvolle Einblicke in technische Berufe und erste Erfahrungen in betriebliche Abläufen. Die Partnerunternehmen der Schule Birklehof im Rahmen der SIA sind in der Region beheimatet und zum Teil weltweit tätig oder gehören gar zu den Weltmarktführern in ihren Branchen. Alle zeichnen sich aus durch ihren großen Einsatz für Ausbildung und Nachwuchsförderung.

Die Teilnehmer:innen der letztjährigen SIA präsentierten stolz die Ergebnisse ihrer Projektarbeiten, darunter Bau und Programmierung eines Robotergreifarms, eines Weckers und eines ferngesteuerten Fahrzeugs. Bei der Vorstellung der Unternehmen und Praxisprojekte wurde es für die Teilnehmer:innen der neuen SIA besonders spannend, galt es für sie doch zu überlegen, in welchem Unternehmen sie ihre Projektarbeit absolvieren wollen. Zur Auswahl stehen Aufgaben aus den Bereichen Robotik, Programmieren, Metallverarbeitung, Elektronik und 3D-Druck.

Pirmin Winterhalder, Ausbildungsleiter bei Mesa Parts in Lenzkirch, ist überzeugt vom Sinn und Nutzen der SIA: „Wir sind jetzt zum dritten Mal und gerne dabei. Die SIA ist nicht nur für die teilnehmende Schülerinnen und Schüler, sondern auch für uns als Unternehmen ein Gewinn. Wir bringen unsere Auszubildenden mit den SIA-Schüler:innen zusammen. Da lernen beide Seiten viel voneinander und entwickeln ihre Projekt- und Sozialkompetenzen weiter. Für uns eine echte Win-win-Situation.“

Matthias Rombach, Ausbildungsleiter bei Testo Industrial Services GmbH in Kirchzarten, erläutert die Beweggründe seines Unternehmens, sich in der SIA zu engagieren: „Wichtig ist uns, dass die jungen Leute frühzeitig Ingenieursberufe und -tätigkeiten in der Praxis erleben und Unternehmen kennenlernen. Im Rahmen der SIA können die jungen Menschen praktische Erfahrung sammeln. Durch den Austausch mit unseren Auszubildenden und Studierenden gewinnen sie Einblick in die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten – Ausbildung, Duales Studium, Studium – und kommen in ihrer eigenen Berufsfindung ein Stück weiter.“

Auch Holger Schwaab, Leiter technische Ausbildung, und Katharina Wiehl, Personalentwicklung, von der Franz Morat Group in Eisenbach halten die frühzeitige Ansprache junger Menschen für wesentlich: „Die SIA ist für uns ein wichtiger Baustein in der Nachwuchsförderung. Zum einen ist es für uns immer spannend, junge Leute mit neuen Ideen in unserer Unternehmensgruppe begrüßen zu dürfen. Zum anderen lernen auch unsere Auszubildenden und Studierenden einiges durch die Betreuung während des SIA-Projektes. Schön ist es vor allem, dass wir auch schon junge Leute aus der Schüler-Ingenieurs-Akademie in die Ausbildung oder in ein Duales Studium übernommen haben. Außerdem finden wir es wichtig, dass mehr Mädchen in technische Berufe kommen, denn Mädchen können Technik genauso gut wie Jungen. Unser Bestreben ist, Mädchen in einem Alter für Technik zu begeistern, in dem der Einfluss von Rollenbildern in der Gesellschaft noch nicht so groß ist. Deshalb gehen wir mit unserem Projekt „Technolino“ auch schon in Kindergärten und engagieren uns jährlich beim Girls Day.“

Die frühe und gezielte Ansprache gerade auch von Mädchen und jungen Frauen ist auch für Achim Bumüller von der Hochschule Furtwangen ein wichtiger Aspekt: „Wir engagieren uns an Schulen, da wir immer wieder die Erfahrung machen: Je früher der Funke überspringt, desto besser. Auch liegt der Frauenanteil in den technischen Kernfächern Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik zu unserem großen Bedauern seit Jahrzehnten unter 20 Prozent. Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um mehr junge Frauen für technische Studiengänge und Berufe zu interessieren. Deshalb freut es uns auch besonders, dass der Anteil der Schülerinnen an den Birklehof-SIAs bei fast 60 Prozent liegt. Das ist außergewöhnlich.“

Björn Brendemühl, Ausbildungsleiter bei Testo SE &Co. KGaA in Titisee-Neustadt, hat insbesondere die Nachwuchsförderung im Bereich IT und Softwareentwicklung im Blick: „Das Thema Informatik und Digitalisierung wird immer wichtiger. Deshalb wollen wir bei jungen Menschen die Leidenschaft für IT-Themen wecken. Programmieren hat den Ruf, sehr Mathe-lastig und komplex zu sein, und dass man ein Nerd sein muss, um es zu mögen. Bei unserem SIA-Projekt im Bereich Softwareentwicklung programmieren die Jugendlichen in nur drei Projekttagen eine kleine Wetter-App für Smartphones, die sie dann auch noch sehr flexibel weiter ausbauen können. Damit ermöglichen wir den Jugendlichen einen lockeren, smarten Zugang zu diesem Thema und zeigen ihnen, mit wie wenig Input und Aufwand man etwas Tolles schaffen kann.“

Beim anschließendes Get-together konnten die Schüler:innen schon erste persönliche Kontakte knüpfen. Hier standen ihnen auch Matthias Unrath von der BBQ − Bildung und Berufliche Qualifizierung gGmbh in Freiburg, SIA-Koordinator auf der Unternehmensseite, Kerstin Steiger-Merx als Vertreterin der Technischen Fakultät der Universität Freiburg und Achim Bumüller von der Hochschule Furtwangen als Gesprächspartner zur Verfügung.

Über die Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA)

Die Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) ist ein in Baden-Württemberg entwickeltes und inzwischen deutschlandweit praktiziertes Kooperationsmodell zwischen Schule, Wirtschaft und Hochschule für Oberstufenschülerinnen und -schüler. Ziel der Akademie ist, technische Kenntnisse zu vermitteln, Einblicke in die Berufswelt zu geben und das Interesse an Ingenieurberufen zu wecken. An der Schule Birklehof ist sie Teil des plus-MINT Talentförderprogramms, steht aber allen interessierten Schülerinnen und Schülern offen.

Die SIA wird durch die BBQ Bildung und berufliche Qualifizierung gGmbH Freiburg umgesetzt, die insbesondere die Beteiligung der Unternehmen akquiriert und koordiniert, und durch den Arbeitsgeberverband Südwestmetall (Verband der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg) und die Agentur für Arbeit mitfinanziert. An der Schule Birklehof betreut und begleitet werden die Schülerinnen und Schüler von Irina Küsters, Lehrerin für Chemie, Mathematik sowie Naturwissenschaft und Technik und Kursstufenleiterin, Dr. Stefanie Hardung, Lehrerin für Biologie sowie Naturwissenschaft und Technik (NwT), und Physik- und Geografielehrer Carsten Vogelgesang.

Fotos & Text: Hanna Kneser 

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